Waldheim Stötten seit 1959

1959 gründete Dekan Jakob Straub das Waldheim in Stötten nach Stuttgarter Vorbild. Unter der Leitung von Jugendwart Frieder Lampeitl kamen 70 Kinder aus Geislingen nach Stötten und verbrachten dort einen Teil ihrer Ferien.

Mittlerweile kann das Waldheim auf über 60 erfolgreiche Jahre, mehr als 13.000 Kinder und 1.200 Mitarbeiter zurückblicken. Und noch heute ist das Angebot so aktuell wie damals.

Pläne für ein Ferientagheim

Durch die Zusammenlegung der ev. Kirchengemeinden Eybach und Stötten in den späten 50er- Jahren steht das Stöttener Pfarrhaus als Jugendheim zur Verfügung. Allerdings waren kleine Umbauten notwendig, da z.B. der heutige Speisesaal im EG früher Hühnerstall.

Dekan Straub beauftragte den Jugendwart Frieder Lampeitl, für Geislinger Kinder ein Ferientagheim einzurichten. Lampeitl hatte diese Arbeit in Stuttgart kennengelernt. Sie war gedacht für bedürftige und unterernährte Kinder.

Die Geislinger Jungenschaft schachtet die Mauer für die Terrasse aus.

Gründung des Waldheims durch Dekan Jakob Straub. Frieder Lampeitl und Karl Prister übernehmen die Waldheimleitung.

Das Waldheim findet komplett im alten Pfarrhaus statt, es laufen allerdings schon Planungen für einen Neubau (Holzhaus) – laut Darlehensantrag hätte es eigentlich bis zum Waldheim fertig sein sollen.

Da die Geislinger AWO im vergangenen Jahr mit einem ähnlichen Angebot mangels Beteiligung gescheitert ist, wird der Holzhausbau vertagt.

Das Waldheim wird als wichtige Aufgabe der ev. Kirche angesehen und soll trotz der schlechten Erfahrungen der AWO ins Leben gerufen werden. Zur Not als Zuschussbetrieb!

Die Gemeinden werden zu Opfern und Spenden aufgerufen. Die vorhandenen Plätze reichen nicht für alle Kinder aus.

Händeringend werden Mitarbeiter fürs Waldheim gesucht – man muss zunächst nehmen, wen man kriegen kann. Das ändert sich aber in den nächsten Jahren.

Das Holzhaus ist fertiggestellt und kann genutzt werden. Dadurch erhöhen sich die Kapazitäten auf 150 Kinder (immer noch knapp bemessen!). Außerdem gibt es eine verbesserte Toilettenanlage, die den Anforderungen entspricht.

Aus der Ausschreibung: „Unsere moderne Küche hat sich  im letzten Sommer schon bestens bewährt, so können wir auch diesmal wieder für gute und reichliche Verpflegung garantieren.“

Aus der Ausschreibung: „So bieten wir den Kindern in diesem Sommer durch 4 Wochen gute Erholung, viel Schönes in Wald u. Flur, viel Freude in der Gemeinschaftmit anderen. Das Wichtigste ist aber, dass es eine Gemeinschaft ist, die unter Gottes Wort gelebt wird. Darum halten wir jeden Tag eine kurze Andacht.“

Für die Statistik wird die Zahl der Kinder „aus Familien ohne Vater“, „aus Flüchtlingsfamilien“ und „aus Familien mit ganz besonderen Notständen (Krankheit, Bunkerwohnung, usw.)“ abgefragt.

Es findet ein Abschlussfest mit Vorführungen auf der Waldheimwiese statt.

Die wöchentliche Belegungszahl schwankt zwischen 170 und 200 Kinder lt. Meldung an das Jugendamt Geislingen. Die Anzahl der pädagogischen Betreuer liegt zwischen 21 und 26 Personen. Zwischen 6 und 7 Mitarbeiterinnen in der Küche sorgen für das leibliche Wohl.

Durch den Stellenwechsel von Karl Prister wurde Siegfried Krüger zum neuen Waldheimleiter bestimmt.

14 Tage vor Waldheimanfang ist noch keine Küchenleitung gefunden. Ein eindringlicher Brief an Adelheid Vogt belegt das. Sie übernahm daraufhin die Küchenleitung.

Der spätere Waldheimleiter Kurt Reichart nimmt erstmals am Waldheim teil. Er wird von der „Anstalt Karlshöhe“ zur Verfügung gestellt.

Für Kinderliegen werden 1051 DM ausgegeben. Die Lebensmittellieferung durch die Waldheim AG beläuft sich auf 3914,74 DM.

Der Anmeldetermin ist 4 Wochen vor Waldheimbeginn. Die Kosten von 12 DM (in allen Waldheimen gleich) decken nicht einmal ein Drittel der entstanden Kosten, jedoch gibt es Zuschüsse von Stadt und Staat um jedem Kind die Teilnahme zu ermöglichen.

Auszug aus dem Elternbrief: „Vesperbrote brauchen Sie nicht mitzugeben. (…) Bitte, geben Sie auch kein Spielzeug mit, es ist genügend vorhanden.“

Betreuungspersonal: „6 Onkel und 3 Hilfsonkel; männliches Personal; 7 Tanten und 4 Hilfstanten, weibliches Personal”

Drei von vier Waldheimwochen sind verregnet.

Der Ausbau der Straße zwischen der Stöttener Steige und Stötten führt zu Schwierigkeiten

Erst 1,5 Wochen vor Waldheimbeginn, wird das Waldheim informiert, dass die Kinder über Eybach, Treffelhausen, Schnittlingen fahren müssen – statt 6 km 22 km! Eine Absage des Waldheims ist nicht mehr möglich, da bereits alles organisiert ist.

Die Stöttener Waldheimleitung schreibt eine Brief an die Arbeitsgemeinschaft in Stuttgart, mit der Bitte, ein anderes Knäckebrot anzubieten. Dazu wurden von den Stöttener Mitarbeitern alle verfügbaren Knäckebrote probiert!

Werklehrer Peter Barth ist ein extra Musik- und Bastelonkel

Siegfried Krüger schreibt Studenten an, um sie als Onkel und Tanten zu gewinnen: “Ich bin überzeugt, dass auch Ihnen die Waldheimarbeit so viel Freude machen würde wie den anderen Studenten, die schon seit Jahren in Stötten mitarbeiten.“