(2016) Die Stunde der Flugzeugbauer

Waldheim StöttenWaldheim Rückblick

Beim Waldheim in Stötten steht nicht nur Lager bauen auf dem Programm: Die rund 80 Kinder lernen die Bibel in Theaterstücken und Liedern kennen, schließen neue Freundschaften und entdecken ihre Talente.

80 junge Talente entdecken sich selbst bei Spiel und Spaß im Waldheim Stötten
„Wir suchen unsere Talente und wollen den Kindern weitergeben, dass jeder von uns etwas gut kann“: So beschreibt Waldheimleiterin Daniela Hartmann das Ziel der fast 17 Betreuer. Die dritte Woche des Waldheims steht unter dem Motto „Zirkus“ mit Schwerpunkt Talente. Bei Workshops haben die Kinder Gelegenheit herauszufinden, was sie gut können. Auf der großen Wiese Fußball, Volleyball, Brennball oder Völkerball zu spielen – das gefällt den Jungs gut. Die, die es eher ruhiger angehen lassen wollen, toben sich beim Basteln und Arbeiten mit Holz und Pappmachee aus. Ihre Kunstwerke nehmen sie später auch mit nach Hause. Auch einen Erste-Hilfe-Kurs gibt es: Die Kinder lernen, wie sie eine Wunde ordentlich reinigen und einen Verband anlegen.

Nach den Workshops geht es los zur Morgenandacht, bei der die Waldheimband die Teilnehmer begleitet. „Das Singen macht richtig Spaß, die Lieder sind total toll“, schwärmen die Kinder. Und: „Können wir nicht mal wieder ,Kleines Senfkorn Hoffnung singen?“ fragt ein Junge. Nicht nur bei den Liedern kommen sie mit der Bibel in Berührung: Jeden Morgen gibt es ein kleines Theaterstück, das eine Geschichte aus der Bibel nacherzählt. „Mit normalem Gottesdienst hat es nicht viel zu tun. Wir wollen, dass die Kinder mit der Kirche und dem Glauben in Kontakt kommen, aber auf kindgerechte Art und Weise. Sie sollen sich ihre eigene Meinung zur Kirche bilden können“, erzählt Hartmann. Unter den rund 80 Kindern sind außer fünf Flüchtlingskindern auch Moslems. Sie seien vollkommen integriert und hätten genauso viel Spaß wie die anderen Kinder.

Snack am Nachmittag
Weil das Toben auf der Wiese und Fangen spielen auf dem Klettergerüst manchmal ganz schön anstrengend ist, stärken sich die Sechs- bis 13-Jährigen für den anstehenden Ausflug in den Wald. Das Essen aus der waldheimeigenen Küche schmeckt jedem gut, am besten ist aber – da sind sich die Kinder einig – immer noch der Imbiss – ein Snack am Nachmittag, den die Jungen und Mädchen im Wald ausgeteilt bekommen. Nicht nur der Bezug zur Bibel und zur Musik steht im Waldheim im Vordergrund: Nach dem Mittagessen geht es für die Kinder zu ihren „Lägerle“ im Wald. Das Grundgerüst haben die Betreuer aufgestellt, Feinarbeit leisten die Kinder selbst. Dabei arbeiten sie lediglich mit Schnüren, um die Holzstangen zu befestigen. Hilfsmittel wie Hämmer und Nägel sind hier nicht erlaubt.

Von ihren Gruppenleitern bekommen die Gruppen eine Lageraufgabe gestellt. „In dieser Woche entstehen auf den Lagerplätzen im Wald Fortbewegungsmittel für den umherziehenden Zirkusdirektor“, erzählt eine der Betreuerinnen. Die älteste Gruppe – sie besteht aus Elf- bis 13-Jährigen – baut ein Flugzeug. Bei ihnen genießt so mancher sein letztes Jahr als Teilnehmer. Viele der Kinder kehren im kommenden Jahr zurück, um im Betreuerteam mitzuhelfen. Sie sind schon seit ihrem sechsten oder siebten Lebensjahr treue Waldheimgäste.

„Es ist mir wichtig, dass die anderen mithelfen“, sagt eines der Mädchen. Jeder solle mit anpacken und nicht nur herumsitzen. „Also, wir arbeiten hart. Wir tragen schwere Stöcke“, stellt ein Junge fest, „das ist harte körperliche Arbeit.“ Dank dieses Arbeitseinsatzes erahnt man bereits den Rumpf des Flugzeugs und die Position der Tragflächen.

Lagerbewertung steht an
Am letzten Tag der Waldheimwoche machen die Betreuer eine Runde durch den Wald und schauen sich die Fahr- oder Flugzeug gewordenen Resultate der Teilnehmer an, genannt „Lagerbewertung“. Die Juroren bewerten dabei unter anderem Stabilität, Konstruktion, Mitarbeit und Präsentation. Jedes der Kinder bekommt bei der Siegerehrung eine Urkunde mit Gruppenbild und Unterschriften der Betreuer. „Ich finde es toll, dass die Gruppenleiter unsere Lager anschauen und uns ihre Meinung dazu sagen“, erzählt eins der Mädchen: „Die Gruppenleiter sind sowieso total cool.“

Wer den Kindern zuhört, wie sie vom Waldheim schwärmen – vom guten Essen, von den tollen Liedern, von den netten Betreuern – der könnte glatt meinen, sie seien im Paradies gelandet. In der Tat gibt es so gut wie nichts zu kritteln, lediglich den halbstündigen Fußmarsch zu den Lagern finden manche „ein bisschen nervig“. Ansonsten überlegen sie lange und vor allem ergebnislos bei der Frage, was ihnen weniger gut gefällt.

Wie beim Waldheim üblich, gibt es jede Woche Änderungen im Programm. In der dritten Woche können die Kinder daheim länger schlafen, kommen mit dem Bus erst um halb zehn an statt schon um halb acht, müssen allerdings zu Hause frühstücken. Auch die Workshops sind den Teilnehmern der dritten Woche vorbehalten. Dafür gab es am Samstag der ersten Woche (Motto „Mut“) ein Waldheimfest, bei dem die Kinder für ihre Eltern Sketche, Tänze und Akrobatikübungen aufführten. In der zweiten Woche (Motto „Freundschaft“) durften die Älteren nach einem Abend mit Fackelwanderung und Filmvorführung in der Nacht auf Samstag im Waldheim übernachten.

Was aber in allen Wochen gleich ist: die zufriedenen Mienen der Kinder, wenn der Bus sie abends abholt und wieder nach Hause bringt.

Artikel: ANGELINA NEUWIRTH | 20.08.2015