(2011) Abenteuerliche Ferien im Wald

Waldheim StöttenWaldheim Rückblick

155 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren verbrachten eine abenteuerliche Ferienwoche im evangelischen Waldheim in Stötten. Fünf Tagen waren sie von früh bis spät im Wald und bauten Lägerle.

Von 8 bis 18 Uhr werden die Kinder von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut. Aus einem Pool von 60 Freiwilligen kann Waldheimleiterin Daniela Hartmann schöpfen. Allein elf Helfer sind täglich in der Küche im Einsatz. Viele haben schon langjährige Waldheimerfahrung als Betreuer und als Teilnehmer. Teilweise ist schon die zweite Generation der Ehemaligen mit dabei.

Die meiste Zeit verbringen die Kinder im Wald beim Bauen ihrer Lägerle. Dazu dürfen sie nur Naturmaterialien, die es im Wald zu finden gibt, und Paketschnur verwenden. Sägen und Hämmern sind verboten. Montags bekommen die Kinder ein Thema für ihre Waldhäuser vorgegeben, am Freitag werden die einzelnen Bauten von der Lagerleitung bewertet und das beste Gebäude prämiert. Letzte Woche lautete die Vorgabe „Orte, an denen etwas aufgeführt werden kann“. Dazu seien im Wald unter anderem richtige kleine Theater entstanden, erzählt Martin Hartmann. Sogar „Gladiatorenkämpfe“ seien dort aufgeführt worden. „Es ist schon toll zu sehen, was man nur mit Holz und Schnur im Wald so alles bauen kann.“

Dieser Tage sollten die Waldheimler ein Kinderzimmer bauen. Dazu zogen die Kinder tagtäglich – nach Alter in zwölf verschiedene Gruppen aufgeteilt – nach dem gemeinsamen Frühstück in den Wald hinter dem Stöttener Schützenhaus. Hier konnten sie sich innerhalb eines vorher festgelegten Gebietes selbst ihren Bauplatz aussuchen. Besonders gut geeignet sind kleine Lichtungen, wo zuvor Holz geschlagen wurde. Dort gibt es viel Baumaterial – kleine Baumstämme, dicke Äste und jede Menge Reisig.

Die zwei Gruppen mit den jüngsten Kindern haben die letzten Tage erfolgreich an einer Wohnhöhle gebaut. Das giebelförmige Grundgerüst wurde aus kleinen Stämmen, die mit Paketschnur fachgerecht verknotet werden, zusammengezimmert. Anschließend deckten die Kinder das Dach mit Gras ab. An die Einrichtung des Kinderzimmers wird noch letzte Hand angelegt: Betreuerinnen zeigen den eifrigen Kindern, wie die Stämme für das Bett richtig zusammengeknotet werden müssen, die selbst gebaute „Spielkiste“ wird mit Tannenzapfen aufgefüllt. Aber bei einem Haus ließen es die Kinder nicht bewenden, auch das Drumherum muss stimmen. Um ihre Wohnhöhle haben die kleinen Baumeister mit in den Boden gesteckten Zweigen einen Garten abgesteckt und diesen fein säuberlich mit einem Teppich aus Moos ausgelegt. Durch das Unterholz bis hin zum nächsten geteerten Feldweg haben sie einen schmalen Pfad freigelegt und befestigt

Bei den älteren Gruppen ist das Kinderzimmer noch eine Nummer größer ausgefallen – man kann in dem mit Holzpalisaden befestigten und mit Reisig gedeckten Haus sogar stehen. Es gibt auch mehrere Anbauten: Ein Badezimmer – mit einem Zahnputzbecher aus Borke und einem entrindeten Ast als elektrische Zahnbürste – und einen Garten. Eine weitere Gruppe ging die Konstruktion des Kinderzimmers wieder anders an. Sie bauten einen Boden aus Baumstämmen über den Waldgrund und statteten ihr Haus mit einem Hochbett aus.

„Die Kinder verbringen die meiste Zeit im Wald“, sagt Daniela Hartmann. Auch durch Regen lassen sie sich nicht abschrecken. Nur wenn es gewittert oder eine Unwetterwarnung besteht, ist der Wald tabu. Um 15.30 Uhr werden die Kinder im Wald mit einem kleinen Zwischenimbiss und Getränken versorgt. „Wir haben schon viel gewonnen, wenn die Kinder lernen, sich im Wald zu bewegen“, erklärt Daniela Hartmann. Teilweise betreuten sie Kinder, die zuvor noch nie im Wald gewesen seien. Ein paar Tage an der frischen Luft mit reichlich Bewegung bewirke für die Gesundheit der Kinder oft wahre Wunder.

 

Stephanie Schmidt, Geislinger Zeitung, 16.08.2011

 Fotos: Rainer Lauschke;