Geschichten

Siegfried und Ursula Götz

Siegfried und Ursula GötzIch, Siegfried Götz (Jahrgang 1944) habe von Anfang an als damals noch sog. "Onkel" mitgearbeitet. Genaugenommen bin ich sogar schon seit dem "Jahr minus 1", also 1958 dabei. Wir von der "Jungenschaft" sind damals gebeten worden, beim Ausschachten des Fundamentes für die neue Terrassenmauer am ehemaligen Pfarrhaus Stötten mitzuhelfen. Ohne Unterbrechung bin ich dann 9 x (also von 1959 bis 1967) dabei gewesen, jeweils die ganzen 4 Wochen lang. Besonders gute Erinnerungen habe ich an den Leiter der frühen Jahre, an Frieder Lampeitl.

1959 hat es den Saalneubau noch nicht gegeben. Ich bin mit meiner Gruppe im 1. Stock des ehemaligen Pfarrhauses untergebracht gewesen, was unter anderem bedeutet hat, dass wir das Essen die Treppe haben hochtragen müssen.

Mein bedeutendstes Jahr ist aber ohne Frage 1966 gewesen, denn da habe ich im Waldheim meine Frau Ursula (vgl. weiter unten !) kennengelernt.

Ab 1968 habe ich nicht mehr Mitarbeiter sein können, weil mein 1. theologisches Dienstexamen unmittelbar bevor gestanden ist. Ich bin dann von 1969 bis 2007 als evangelischer Pfarrer tätig gewesen und lebe nun im Ruhestand wieder in meiner Heimatstadt Geislingen.

Ursula Götz, geborene Class (Jahrgang 1945 aus Frickenhausen bei Nürtingen) ist 1966 über einen vom damaligen Leiter Siegfried Krüger veranlassten Aushang im Hauswirtschaftlichen Seminar in Kirchheim [Ausbildungsstätte der Lehrerinnen für Handarbeit, Hauswirtschaft und Turnen (HHT)] auf Stötten aufmerksam geworden. Am 11. Juni 1966 haben wir uns bei einem Vorbereitungstreffen erstmals gesehen und sind dann unmittelbar nach der Waldheimzeit ein Paar geworden. 1967 ist Ursula wieder als "Tante" tätig gewesen.

Eine besondere "Erfindung" von Ursula ist erwähnenswert: in einer Zeit, als es den Begriff "Trimm-dich-Pfad" noch gar nicht gegeben hat, hat sie, die angehende Lehrerin u.a. für Sport, mit ihrer Gruppe im Wald bereits einen angelegt.

1966 ist ihr Bruder Ulrich Class (Jahrgang 1950) als "Hilfs-Onkel" mitgekommen. Er hat im "Eheanbahnungsinstitut Waldheim Stötten" mit Gerlinde Banthleon aus Kuchen (sie hat in der Küche mitgearbeitet) seine Frau kennengelernt. Er ist Lehrer und wohnt in Großbettlingen.

 

Lieber kein Taschengeld

Nicht alle Kinder sind vom Waldheim begeisert - ein Vater berichtet:

"Es war vermutlich im Jahre 1996, als unsere Söhne Florian und Hannes zum ersten (und letzten Male) das Stöttener Waldheim besuchten.

Schon Wochen zuvor, wurden die Kinder auf das Ereignis, erstmals „fern der Heimat" die Ferientage ohne Mama und Papa zu verbringen, eingestimmt. Anfänglich war bei den Sprösslingen die Begeisterung groß, bis zum Beginn des Ferienlagers kam eine Portion Skepsis hinzu.

Schließlich war es soweit! Am Morgen wurden die Kinder zur Omnibushaltestelle am Geislinger „Schwanenteich" gebracht. Mit einem Lächeln und fröhlichem Winken verabschiedete man sich.

Gegen Abend begaben sich die Eltern gespannt in die Karlstraße, um die Rückkehr ihrer Kinder zu erwarten. Man hatte vor, auf dem Heimweg noch gemütlich im Eis-Café einzukehren, um die Kinder zum Abschluss eines gelungenen Ferienlagerauftaktes zu belohnen.

Als der mit Lagerteilnehmern vollbesetzte Bus beim „Schuh-Kraft" anhielt, entsprang ihm eine johlende Kinder-Meute. Nur ein Kind, unser Hannes, hatte Tränen in den Augen. Die Versuche, den Grund zu erfahren, waren nicht sehr erfolgreich. Das Heulen wurde immer lauter. Die Worte wurden von Tränen erstickt.

An einen Besuch im Eis-Café war unter diesen Umständen gar nicht zu denken. Der größere Bruder Florian versuchte zu erklären, dass es Hannes überhaupt nicht gefallen habe. Schließlich platzte der kleine Hannes heraus: „Nie wieder gehe ich dorthin. Ich verzichte ein ganzes Jahr auf mein Taschengeld, aber dort gehe ich nicht mehr hin!"

Letzteres traf bei Hannes zu - das Taschengeld wurde aber weiter gewährt! Florian absolvierte wie geplant den weiteren Waldheim-Aufenthalt ohne seinen kleinen Bruder. Im Jahr darauf war aber auch Florian nicht mehr zu bewegen, sich zum Waldheim-Besuch anzumelden."